Thema 1: Rückzug in die Innenwelt
Gib die Kernaussagen des folgenden Textausschnitts kurz in eigenen Worten wieder. Weshalb sind deiner Meinung nach Rückzugsmöglichkeiten in die eigene Innenwelt heute wichtiger denn je? Veranschauliche deine Überlegungen mit Beispielen aus eigener Erfahrung! Wenn wir tagträumen, nähern wir uns dem Glutkern unseres Selbst. Mehr noch als die nächtlichen Träume sind die Träume mit offenen Augen ein Königsweg zu dem, was uns im Innersten zusammenhält. Und im Grunde meinen wir diese Aufenthalte in der Innenwelt, wenn wir sagen, dass wir so selten „zu uns selbst kommen“. Wir sollten uns das Recht und die Zeit zum Tagträumen nehmen, denn es ist alles andere als Zeitverschwendung oder Müssiggang. Wir brauchen die Rückzugsmöglichkeiten in die Innenwelt heute mehr denn je. Denn alles, was uns als Person ausmacht, wird mehr und mehr von der Aussenwelt, von der sogenannten Realität aufgebraucht. Zwei mächtige Trends ziehen uns in eine immer stärkere Aussenorientierung des Lebens: Zum einen wird unsere Aufmerksamkeit durch Medien und Ablenkungsindustrie immer mehr absorbiert, zum anderen breitet sich der Körper-, Fassaden- und Eindruckskult mächtig aus. Die Vielfalt der inneren Verarbeitungsprozesse, das Sinnieren, Reflektieren und Fantasieren, wird ersetzt durch eine permanente Oberflächen- und Aussenorientierung. Der aussengeleitete Mensch ist in ständige soziale Vergleiche und Statuskämpfe verwickelt, er richtet sein Leben an vorgegebenen Erfolgs- und Glücksmassstäben aus, und er erschöpft sich in der Jagd nach Anerkennung und neuen Reizen. Der Tagtraum ist das Gegenprogramm zu dieser Veräusserung. Er ist die erste Verteidigungslinie unserer Innenwelt. Wir brauchen dieses Paralleluniversum, um unser Selbst zu bewahren. (Aus: Heiko Ernst, „Unser persönliches Paralleluniversum“, in: Psychologie heute 7, 2011.)