Frühfranzösisch ist in Zürich nicht abgeschafft. Der Regierungsrat hat am 16. September 2026 nur zur Vernehmlassung des Bundes Stellung genommen und einen Eingriff aus Bern abgelehnt (RRB Nr. 966/2026). Für Primarschulkinder ändert sich vorerst nichts: Französisch bleibt ab der 5. Klasse Pflicht.
Was der Regierungsrat am 16. September 2026 beschlossen hat
Der Bundesrat will die Landessprachen in der Schule notfalls per Bundesgesetz stärken und hat dazu am 12. Juni 2026 eine Vernehmlassung eröffnet. Der Regierungsratsbeschluss 966/2026 (PDF) ist die Zürcher Antwort darauf.
- Bern soll sich (noch) heraushalten. Ein Eingriff in die kantonale Bildungshoheit sei „zum jetzigen Zeitpunkt nicht angezeigt“. Der Bund dürfe nur handeln, wenn die Kantone sich nicht einigen können.
- Zürich setzt auf die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Diese hat am 31. Oktober 2025 eine Erklärung zum Sprachenunterricht verabschiedet und entscheidet später über konkrete Massnahmen.
- Notfalls Variante 2. Nur wenn die EDK keine Lösung findet, soll der Bund nach Variante 2 regeln.
- Nein zu Variante 1. Ob Englisch unterrichtet wird und ob Schüler beide Sprachen gleich gut beherrschen müssen, seien pädagogische Fragen und gehörten nicht in ein Bundesgesetz.
Im selben Beschluss schreibt der Regierungsrat, er stehe „grundsätzlich“ hinter dem heutigen Modell mit Englisch ab der 3. und Französisch ab der 5. Klasse. Trotzdem arbeitet er an einer Vorlage, die Französisch in die Sek verschiebt, weil der Kantonsrat das verlangt.
Die zwei Varianten des Bundes: Was sie für Zürich bedeuten würden
| Heute in Zürich | Motion Kantonsrat | Bund Variante 1 | Bund Variante 2 | |
|---|---|---|---|---|
| Französisch | ab 5. Klasse | ab 1. Sek | Pflicht als Landessprache (in Zürich heute Französisch), spätestens ab 5. Klasse | Beginn in der Primarschule, bis Ende Sek |
| Englisch | ab 3. Klasse | — | Pflicht, spätestens ab 5. Klasse | frei, auch erst ab Sek möglich |
| Besonderheit | — | — | eine der beiden Sprachen spätestens ab 3. Klasse; welche, bestimmt der Kanton. Gleichwertige Kompetenzen in Landessprache und Englisch | Start erst in der 6. Klasse erlaubt, dann mit mehr Lektionen |
Quellen: RRB 966/2026, Entwurf Variante 1, Entwurf Variante 2, Erläuternder Bericht, S. 16.
Beide Varianten verlangen eine zweite Landessprache schon in der Primarschule. Ein reiner Französisch-Start in der Sek, wie ihn die Zürcher Motion will, wäre mit keiner der beiden möglich. Variante 2 liesse Zürich mehr Spielraum, etwa Französisch ab der 6. Klasse und Englisch ab der Sek.
Wer entscheidet bis wann über das Frühfranzösisch?
| Wer | Was | Termin |
|---|---|---|
| Kantonsrat Zürich | überweist Motion 41/2025: Französisch erst ab 1. Sek (108 zu 64 Stimmen) | 1. September 2025 |
| Regierungsrat Zürich | legt Bericht und Antrag vor | innert zwei Jahren, also rund September 2027; höchstens ein Jahr Verlängerung |
| Kantonsrat Zürich | entscheidet über die Vorlage | offen |
| Bundesrat | Vernehmlassung zum Sprachengesetz | 12. Juni bis 5. Oktober 2026 |
| Bundesrat | entscheidet, ob er dem Parlament eine Änderung beantragt | offen |
| Bundesversammlung | beschliesst die Änderung; fakultatives Referendum möglich | offen |
| Bundesrat | bestimmt das Inkrafttreten | offen |
Quellen: RRB 966/2026, Kantonsrat Zürich: Lexikon Motion, Medienmitteilung Bundesrat, Erläuternder Bericht.
Die Bundesvernehmlassung ist ausdrücklich vorsorglich: Bleiben die Kantone bei der gemeinsamen Sprachenstrategie, verzichtet der Bundesrat auf eine Gesetzesänderung. Schon 2016 eröffnete der Bundesrat eine ähnliche Vernehmlassung und sistierte die Revision im Dezember desselben Jahres nach Entscheiden in St. Gallen, Thurgau und Zürich.
Wen es betrifft und wen nicht
Heute hat jedes Zürcher Primarschulkind in der 5. und 6. Klasse je 3 Lektionen Französisch pro Woche. In der Sek sind es 3 Lektionen in der 1. und 2. Klasse. In der 3. Sek haben die Abteilungen B und C Französisch nur noch als Wahlfach.
Die folgende Einordnung nach Klasse (Schuljahr 2026/27) leiten wir aus der Motionsfrist und der noch fehlenden Vorlage ab; eine amtliche Aussage ist sie nicht.
| Klasse heute | Französisch in der Primarschule? |
|---|---|
| 6. Klasse | ja, im zweiten Jahr |
| 5. Klasse | ja, seit diesem Schuljahr |
| 4. Klasse | nach heutigem Stand ja, ab der 5. Klasse im Schuljahr 2027/28 |
| 3. Klasse und jünger | offen |
Dass sich für heutige Viertklässler auf das Schuljahr 2027/28 noch etwas ändert, ist nach unserer Einschätzung kaum denkbar: Die Regierung hat für ihre Vorlage bis etwa September 2027 Zeit, danach entscheidet noch der Kantonsrat. Für jüngere Kinder hängt es davon ab, wie schnell Kanton und Bund entscheiden.
Was Eltern jetzt tun sollten
Im Moment müssen Sie nichts tun. Französisch ist in der 5. und 6. Klasse ein normales Zeugnisfach: Es gibt eine Gesamtnote und dazu Angaben zu Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben; massgebend ist die Gesamtnote. Wer Französisch wegen der Debatte schleifen lässt, riskiert eine schlechte Note, die heute im Zeugnis steht wie jede andere.
Zählt die Französischnote beim Übertritt?
Beim Übertritt in die Sek entscheiden die Primarlehrperson und die Eltern gemeinsam über die Abteilung. Grundlage ist eine Gesamtbeurteilung aus schulischen Leistungen, Arbeits- und Lernverhalten, Sozialverhalten und Entwicklungsstand. Ein festes Gewicht für einzelne Fächer nennt der Kanton dort nicht. Bietet die Sek in Französisch Anforderungsstufen an, entscheidet die Leistungsbeurteilung in Französisch über die Stufe. Für die Vornote der Gymiprüfung ans Langgymnasium zählen dagegen nur Deutsch und Mathematik aus dem Januarzeugnis der 6. Klasse.
Was noch offen ist
- Ab welchem Schuljahr eine Verschiebung in die Sek gelten könnte: Der Kanton hat noch keinen Zeitplan publiziert.
- Ob der Bundesrat dem Parlament eine Änderung beantragt: Das hängt davon ab, was die Kantone tun.
- Was die EDK beschliesst: Anpassungsbedarf sieht sie laut dem Erläuternden Bericht des Bundes (PDF) bei Bildungszielen und Lehrplänen.
- HarmoS: Das ist die Vereinbarung der Kantone zur Harmonisierung der obligatorischen Schule. Sie sieht heute zwei Fremdsprachen in der Primarschule vor, eine Landessprache und Englisch. Laut dem Bericht müssten Kantone, die von dieser gemeinsamen Sprachenstrategie abweichen, aus HarmoS austreten. Zürich ist Mitglied.
Ähnliche Aufträge haben laut dem Bericht auch die Parlamente von Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Solothurn, Schwyz, Schaffhausen und Thurgau beschlossen.
Originaldokumente
Braucht Ihr Kind in der 5. oder 6. Klasse Unterstützung in Französisch, klären wir das gern in einem kostenlosen Beratungsgespräch.
Stand: 27. September 2026.



