Lies das unten stehende Interview mit dem Philosophen Dieter Thomä. Wähle eine der vier Antworten des Befragten aus und nimm Stellung dazu. In deinem Text soll auch deutlich werden, welche Bedeutung deine Familie für dich hat.
Dieter Thomä ist Philosophieprofessor an der Universität St. Gallen und beschäftigt sich seit Jahren mit der Stellung der Familie in der Gesellschaft.
Im Gegensatz zu den Freunden kann man sich seine Familie nicht aussuchen. Streiten sich Kinder deshalb so oft mit ihren Eltern?
Dass man nicht alles selbst bestimmen kann, ist gar nicht so schlecht. In der Familie muss ich nicht dauernd stark sein und mich ständig behaupten.
Augenblick mal. Jugendliche streiten sich doch ständig mit ihren Eltern über die Rollen in der Familie. Zum Beispiel darüber, ob man noch ein Kind ist, das sich alles sagen lassen muss.
Es gibt zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite ist da ein tiefes Gefühl von Verbundenheit. Wenn es einem richtig dreckig geht, gibt es wenige Beziehungen, die so verlässlich sind wie die familiären. Aber gerade weil man so vorbehaltlos bejaht wird, gibt es auch wieder furchtbare Enttäuschungen. Im Konfliktfall denkt man nämlich: Gerade die müssten mich doch verstehen.
Wie wichtig sind denn Reibereien in der Familie?
Reibung erzeugt Wärme – eben Reibungswärme. Wenn man in der Schule oder am Arbeitsplatz Zoff hat, wird es kalt um einen herum, ungemütlich. Wenn es in der Familie Streit gibt, ist das oft ein Zeichen, dass keine Gleichgültigkeit herrscht. Da macht sich also jemand Gedanken um einen. Es gibt auch Familien, wo jeder macht, was er will. Die Eltern arbeiten den ganzen Tag, die Kinder backen sich eine Pizza auf. Das ist heikel, weil die Familie ihren Sinn und Zweck verliert.
Kann man es nicht auch tolerant nennen?
Für mich ist das Toleranz aus Bequemlichkeit. Nach dem Motto: Ich lebe mein Leben, du deins. Das mag okay sein, wenn die Kinder 30 sind, aber davor sollte man die Beziehung nicht zu einer unter vielen machen, die so ähnlich ist wie eine Freundschaft.
Aus: Fluter, Nr. 49, Winter 2013/14, S. 4-6, bearbeitet.