Essigsäure, Salzsäure und Schwefelsäure sind die wichtigsten Säuren, Natronlauge ist die wichtigste Lauge. Hier lernst du ihre Formeln, welche Ionen sie in Wasser bilden, wofür man sie braucht und wie man sicher mit ihnen umgeht.
Essigsäure, Salzsäure und Schwefelsäure sind die wichtigsten , Natronlauge ist die wichtigste Lauge. Jede Säure gibt in Wasser ab, die Lauge liefert Hydroxid-Ionen. Lerne für jeden Stoff Formel, , Verwendung und Gefahr.
Was alle Säuren und Laugen gemeinsam haben
Eine Säure gibt in Wasser ein Proton H+ ab. Es bindet sich sofort an ein Wassermolekül, so entsteht das H3O+. Oxonium-Ionen machen eine Lösung sauer.
Von der Säure bleibt ein negatives Säurerest-Ion übrig, etwa das Chlorid-Ion Cl−.
Eine Lauge enthält viele Hydroxid-IonenOH− und ist basisch.
MerkeSäure: gibt H+ ab, in Wasser entsteht H3O+. Lauge: enthält viele OH−.
Essigsäure: die Säure im Essig
Essigsäure CH3COOH heisst chemisch Ethansäure. Von ihren vier H-Atomen gibt sie nur das der COOH-Gruppe ab. Übrig bleibt das Acetat-Ion:
CH3COOH+H2O⇌CH3COO−+H3O+
Der Doppelpfeil zeigt: Nur wenige geben ihr Proton ab. Essigsäure ist eine schwache Säure. Speiseessig enthält etwa 5 Prozent davon, Essigessenz etwa 25 Prozent.
MerkeEssigsäure gibt nur ein Proton ab, das aus der COOH-Gruppe.
Wie Essig entsteht
In offenem Wein oder vergorenem Most wandeln Essigsäurebakterien das Ethanol mit Sauerstoff aus der Luft in Essigsäure um:
C2H5OH+O2→CH3COOH+H2O
Reine Essigsäure riecht stechend und erstarrt schon unter etwa 17 °C zu Kristallen, die wie Eis aussehen. Darum heisst sie auch Eisessig.
Reine Essigsäure ätzt. Speiseessig ist so verdünnt, dass man ihn essen kann.
Salzsäure: starke Säure, auch im Magen
Salzsäure ist Chlorwasserstoff HCl in Wasser. Fast jedes HCl-Molekül gibt sein Proton ab:
HCl+H2O→H3O++Cl−
Salzsäure ist darum eine starke Säure. Dein Magen bildet sie verdünnt: Sie tötet Keime ab und hilft, Eiweiss zu verdauen. Konzentrierte Salzsäure gibt stechende Dämpfe ab und ätzt.
MerkeStarke Säure: fast alle Moleküle geben ihr Proton ab. Schwache Säure: nur wenige.
Schwefelsäure: eine Säure mit zwei Protonen
Schwefelsäure H2SO4 ist eine starke Säure, die zwei Protonen abgeben kann. Zuerst entsteht das Hydrogensulfat-Ion, danach das Sulfat-Ion:
H2SO4+H2O→H3O++HSO4−HSO4−+H2O⇌H3O++SO42−
Der erste Schritt läuft vollständig ab, der zweite nur teilweise.
Verdünnte Schwefelsäure steckt in der Autobatterie. Die Industrie braucht riesige Mengen davon, etwa für Dünger.
Konzentrierte Schwefelsäure verdünnen
Konzentrierte Schwefelsäure (etwa 96 Prozent) zieht Wasser an, sogar aus Zucker. Der Zucker verkohlt dabei zu einer schwarzen Masse.
Mischt man sie mit Wasser, wird es sehr heiss. Giesst man Wasser in die Säure, kocht es sofort auf und spritzt Säure heraus. Darum giesst man immer die Säure langsam ins Wasser.
MerkeErst das Wasser, dann die Säure.
Natronlauge: die wichtigste Lauge
Natriumhydroxid NaOH ist ein weisser Feststoff. In Wasser zerfällt es in Ionen, dabei wird die Lösung warm:
NaOH→Na++OH−
Diese Lösung heisst Natronlauge, eine starke Lauge. Sie greift Fette und Eiweisse an: im Rohrreiniger Haare und Fett, aber auch Haut und Augen.
Brezeln taucht man vor dem Backen kurz in verdünnte Natronlauge. So bekommen sie ihre braune Kruste.
Neutralisation: Säure trifft Lauge
Gibst du eine Säure zu einer Lauge, reagieren die Oxonium-Ionen mit den Hydroxid-Ionen zu Wasser:
H3O++OH−→2H2O
Das heisst Neutralisation. Die übrigen Ionen bilden ein . Aus Salzsäure und Natronlauge entsteht Kochsalz:
HCl+NaOH→NaCl+H2O
Schwefelsäure gibt zwei Protonen ab und braucht darum doppelt so viel Natronlauge:
H2SO4+2NaOH→Na2SO4+2H2O
MerkeSäure + Lauge → Salz + Wasser.
Essigsäure, Schwefelsäure, Natronlauge auf einen Blick: die wichtigsten Regeln.
Häufige Fehler
✕Essigsäure CH3COOH gibt vier Protonen ab, weil sie vier H-Atome hat.
✓Nur das H-Atom der COOH-Gruppe wird abgegeben. Die drei H-Atome am Kohlenstoff bleiben fest gebunden.
✕Eine schwache Säure ist eine verdünnte Säure.
✓Stark oder schwach sagt, ob fast alle oder nur wenige Moleküle ihr Proton abgeben. Verdünnt oder konzentriert sagt, wie viel Säure im Wasser gelöst ist. Eisessig ist konzentriert und trotzdem schwach.
✕Zum Verdünnen giesst man Wasser in die konzentrierte Schwefelsäure.
✓Umgekehrt: die Säure langsam ins Wasser. Sonst kocht das wenige Wasser sofort auf und spritzt ätzende Säure heraus.
✕Natronlauge ist harmlos, weil sie keine Säure ist.
✓Konzentrierte Laugen ätzen genauso wie Säuren. Für die Augen sind sie sogar besonders gefährlich.
Begriffe zum Nachschlagen
Essigsäure
Die Säure im Essig, Formel CH₃COOH, chemisch Ethansäure. Eine schwache Säure, die ein Proton abgibt.
Salzsäure
Lösung von Chlorwasserstoff HCl in Wasser. Eine starke Säure, auch im Magensaft.
Schwefelsäure
Starke Säure mit der Formel H₂SO₄. Sie kann zwei Protonen abgeben.
Natronlauge
Lösung von Natriumhydroxid NaOH in Wasser. Eine starke Lauge mit vielen Hydroxid-Ionen.
Konzentration
Wie viel Stoff in einer Lösung gelöst ist, in Prozent oder in mol pro Liter (mol/l). 0.2 mol/l heisst: 0.2 mol Stoff in 1 Liter Lösung. Rechnen mit mol/l lernst du meist erst am Gymnasium.
Stoffmenge
Wie viele Teilchen eine Stoffportion enthält, gemessen in mol (Zeichen n). Rechnung: n = c · V oder n = m : M.
molare Masse
Masse von einem Mol eines Stoffs in g/mol (Zeichen M), zum Beispiel 40 g/mol für NaOH.
Welche Ionen entstehen, wenn du Chlorwasserstoff HCl und Natriumhydroxid NaOH je in Wasser löst? Ist die Lösung sauer oder basisch?
Lösung Schritt für Schritt
HCl ist eine Säure. Es gibt sein Proton an ein Wassermolekül ab.HCl+H2O→H3O++Cl−
In der Salzsäure sind also Oxonium-Ionen und Chlorid-Ionen. Die Oxonium-Ionen machen sie sauer.
Natriumhydroxid zerfällt in Wasser in seine Ionen.NaOH→Na++OH−
In der Natronlauge sind Natrium-Ionen und Hydroxid-Ionen. Die Hydroxid-Ionen machen sie basisch.
Salzsäure enthält H3O+ und Cl− und ist sauer. Natronlauge enthält Na+ und OH− und ist basisch.
Beispiel 2Essigsäure und Natronlauge neutralisieren
Stelle die für die Neutralisation von Essigsäure mit Natronlauge auf und benenne das Salz.
Lösung Schritt für Schritt
Essigsäure gibt nur das Proton der COOH-Gruppe ab. Pro Molekül Essigsäure braucht es also ein Hydroxid-Ion.
Das Proton und das Hydroxid-Ion bilden Wasser. Übrig bleiben das Acetat-Ion und das Natrium-Ion.
Gleichung aufschreiben und zählen: links und rechts je 2 C, 5 H, 3 O und 1 Na.CH3COOH+NaOH→CH3COONa+H2O
Das Salz aus Natrium-Ionen und Acetat-Ionen heisst Natriumacetat.
CH3COOH+NaOH→CH3COONa+H2O. Es entstehen Natriumacetat und Wasser.
Beispiel 3Laugenreste im Chemiezimmer
Nach einem Versuch im Chemiezimmer einer Kantonsschule in Aarau bleiben 500 ml Natronlauge mit der 0.2 mol/l übrig. Bevor sie in den Ausguss darf, wird sie mit Salzsäure (1 mol/l) neutralisiert. Wie viel Salzsäure braucht es?
Lösung Schritt für Schritt
Reaktionsgleichung: Ein HCl neutralisiert ein NaOH.HCl+NaOH→NaCl+H2O
Natriumhydroxid in der Lauge:n=c⋅V=0.2mol/l⋅0.5l=0.1mol
Es braucht gleich viel HCl, also 0.1 mol. Daraus das Volumen der Salzsäure:V=cn=1mol/l0.1mol=0.1l
In der Praxis gibt man die Säure langsam dazu und prüft den mit Indikatorpapier.
Es braucht 100 ml Salzsäure. Dabei entsteht Kochsalzlösung.
Beispiel 4Wasserkocher entkalken in Luzern
Familie Huber in Luzern entkalkt ihren Wasserkocher mit 240 ml Speiseessig. In 100 ml Essig stecken 5 g Essigsäure. Wie viel Kalk (CaCO3) kann der Essig höchstens auflösen? Atommassen: H = 1, C = 12, O = 16, Ca = 40 g/mol.
Lösung Schritt für Schritt
Masse Essigsäure in 240 ml Essig:m=2.4⋅5g=12g
von CH3COOH und Stoffmenge:M=2⋅12+4⋅1+2⋅16=60g/mol,n=60g/mol12g=0.2mol
Reaktionsgleichung: Ein Kalk-Teilchen braucht zwei Essigsäure-Moleküle.CaCO3+2CH3COOH→Ca(CH3COO)2+H2O+CO2
0.2 mol Essigsäure lösen also 0.1 mol Kalk. Kalk hat die molare Masse 40 + 12 + 3 · 16 = 100 g/mol:m=0.1mol⋅100g/mol=10g
Der Essig löst höchstens 10 g Kalk. Die Bläschen sind Kohlenstoffdioxid.
Jetzt du
3Übungen mit Lösungen
Fang beim Einstieg an. Klapp die Lösung erst auf, wenn du selbst gerechnet hast. Steckst du fest, gibt Fox dir einen Tipp.
1
Gib die Formel von Essigsäure an. Wie heisst sie chemisch?
Lösung zeigen
Ergebnis: CH3COOH, Ethansäure
Essigsäure hat zwei C-Atome und eine COOH-Gruppe.
Formel: CH3COOH.
Zwei C-Atome heisst «Eth-», der chemische Name ist Ethansäure.
2
Welches Ion macht jede saure Lösung sauer? Gib Name und Formel an.
Lösung zeigen
Ergebnis: Das Oxonium-Ion H3O+
Eine Säure gibt ein Proton H+ ab.
Das Proton bindet sich an ein Wassermolekül.
So entsteht das Oxonium-Ion H3O+.
3
Welche Ionen sind in Natronlauge gelöst?
Lösung zeigen
Ergebnis: Natrium-Ionen Na+ und Hydroxid-Ionen OH−
Natronlauge ist Natriumhydroxid NaOH in Wasser.
In Wasser zerfällt es: NaOH→Na++OH−.
4
Wie viel Prozent Essigsäure enthält Speiseessig ungefähr, und wie viel Essigessenz?
Lösung zeigen
Ergebnis: Speiseessig etwa 5 Prozent, Essigessenz etwa 25 Prozent
Speiseessig ist stark verdünnt, darum kann man ihn essen.
Essigessenz ist etwa fünfmal so konzentriert und muss vor dem Gebrauch verdünnt werden.
5
Du sollst konzentrierte Schwefelsäure verdünnen. Was giesst du in was?
Lösung zeigen
Ergebnis: Die Säure langsam ins Wasser
Beim Mischen von Schwefelsäure mit Wasser wird viel Wärme frei.
Giesst man Wasser in die Säure, kocht es sofort auf und spritzt.
Merksatz: Erst das Wasser, dann die Säure.
6
Benenne das Säurerest-Ion von Salzsäure, Essigsäure und Schwefelsäure (nach Abgabe aller Protonen) und gib die Formeln an.
Schwefelsäure gibt zwei Protonen ab, sie braucht also zwei Hydroxid-Ionen.
Dafür braucht es zwei NaOH, es entstehen zwei Wassermoleküle.
Zwei Natrium-Ionen und ein Sulfat-Ion bilden Natriumsulfat Na2SO4.
Atome zählen: links und rechts je 2 Na, 1 S, 6 O, 4 H.
12
Du willst 250 ml Natronlauge mit der Konzentration 0.5 mol/l herstellen. Wie viel Gramm Natriumhydroxid musst du abwägen? (Na = 23, O = 16, H = 1 g/mol)
Lösung zeigen
Ergebnis: 5 g
Stoffmenge: n=c⋅V=0.5mol/l⋅0.25l=0.125mol.
Molare Masse von NaOH: 23+16+1=40g/mol.
Masse: m=0.125mol⋅40g/mol=5g.
13
Gibt man konzentrierte Schwefelsäure auf Haushaltzucker C12H22O11, bleibt eine schwarze, poröse Masse zurück. Was passiert? Stelle die Gleichung für den Zucker auf.
Lösung zeigen
Ergebnis: Die Schwefelsäure entzieht dem Zucker das Wasser, zurück bleibt Kohlenstoff: C12H22O11→12C+11H2O
Konzentrierte Schwefelsäure zieht Wasser stark an.
Im Zucker stecken H- und O-Atome im Verhältnis 2 zu 1, wie im Wasser.
Die Säure holt sie als Wasser heraus, übrig bleibt schwarzer Kohlenstoff.
Atome zählen: 22 H und 11 O ergeben genau 11 Wassermoleküle.
14
Wie viel Salzsäure mit der Konzentration 0.1 mol/l braucht es, um 20 ml Natronlauge mit 0.25 mol/l zu neutralisieren?
Lösung zeigen
Ergebnis: 50 ml
Stoffmenge NaOH: n=0.25mol/l⋅0.02l=0.005mol.
HCl und NaOH reagieren im Verhältnis 1 zu 1, es braucht also 0.005 mol HCl.
Volumen: V=0.1mol/l0.005mol=0.05l=50ml.
Verwechselt dein Kind starke und konzentrierte Säuren oder stockt es bei Neutralisationsgleichungen, übt eine Chemie-Lehrperson mit ihm genau diese Schritte.Chemie-Nachhilfe für die Sek und das Gymnasium
Üben ohne Ende
4Trainer: Essigsäure, Schwefelsäure, Natronlauge
So funktioniert der Trainer
Immer neue Fragen zu den wichtigsten Säuren und Laugen zum Anklicken, jede mit kurzer Erklärung. Stufe 1 übt Formeln und Alltag, Stufe 2 Ionen und Stärke, Stufe 3 Gleichungen und Neutralisation.
Welche Formel hat Essigsäure?
Löse die Aufgabe und drück «Prüfen» (oder Enter).
Für dein Heft
5Zum Ausdrucken
Nimm ein fertiges Paket oder stell selbst zusammen, was du brauchst. Alles als PDF, gratis und ohne Anmeldung.
Meist in der 3. Sek im Fach Natur und Technik, direkt nach dem pH-Wert. Im 1. Jahr am Gymnasium kommen Protolysegleichungen, starke und schwache Säuren und erste Rechnungen mit der Stoffmenge dazu.
NT.3.2.eDie Eigenschaften von Essigsäure, Salzsäure, Schwefelsäure und Natronlauge auf ihre Teilchen und auf die Ionen zurückführen, die sie in Wasser bilden.
NT.3.2.dDie Neutralisation als Umwandlung beschreiben, bei der aus Oxonium-Ionen und Hydroxid-Ionen Wasser und ein Salz entstehen.
NT.1.3.aWissen, warum konzentrierte Säuren und Laugen in Haushalt und Labor gefährlich sind und wie man sie sicher verdünnt und aufbewahrt.
Codes nach dem Lehrplan 21 der Deutschschweiz, Umschreibung in eigenen Worten. Wann genau das Thema drankommt, legt das Lehrmittel der Schule fest. Alle Themen nach Lehrplan 21
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Ist Essigsäure gefährlich?
Das hängt von der Konzentration ab. Speiseessig mit etwa 5 Prozent kannst du essen. Essigessenz mit etwa 25 Prozent kann Haut und Augen verätzen, reine Essigsäure erst recht.
Was ist der Unterschied zwischen Natriumhydroxid und Natronlauge?
Natriumhydroxid NaOH ist der weisse Feststoff. Natronlauge ist seine Lösung in Wasser. Erst in Wasser liegen die Hydroxid-Ionen frei vor, die die Lösung basisch machen.
Warum gilt «Erst das Wasser, dann die Säure»?
Beim Mischen von konzentrierter Schwefelsäure mit Wasser wird sehr viel Wärme frei. Giesst du die Säure ins Wasser, verteilt sich die Wärme im vielen Wasser. Umgekehrt kocht das wenige Wasser sofort und spritzt Säure heraus.
In welcher Klasse lernt man Essigsäure, Schwefelsäure und Natronlauge?
Meist in der 3. Sek im Fach Natur und Technik, nach dem pH-Wert. Am Gymnasium kommen im 1. Jahr Protolysegleichungen und Rechnungen mit der Stoffmenge dazu. Je nach Kanton und Schule kann es etwas früher oder später sein.
Begriff
Proton
Positiv geladenes Teilchen im Atomkern mit einer Masse von etwa 1 u. Die Zahl der Protonen bestimmt das Element.
BeispielJedes Atom mit 6 Protonen ist Kohlenstoff.