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Naturalismus in der Literatur

Der Naturalismus ist die Literaturepoche von etwa 1880 bis 1900: Autoren wie Gerhart Hauptmann zeigen die Wirklichkeit so genau wie möglich, vor allem Armut, Krankheit und Elend. Hier lernst du Merkmale, Menschenbild, Sprache, Autoren und Werke und ordnest Texte sicher zu.

  • 3. Jahr Gymnasium - 4. Jahr Gymnasium
  • Gymnasium
Eine ärmliche Weberstube im 19. Jahrhundert: Mutter und Sohn arbeiten am hölzernen Webstuhl, der Grossvater sitzt mit Garn neben Ofen und Öllampe
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Das musst du wissen

Erklärung

Der Naturalismus ist eine Epoche der deutschen Literatur von etwa 1880 bis 1900. Er will die Wirklichkeit so genau wie möglich abbilden, auch das Elend. Zum Zuordnen suchst du Detailtreue, Dialekt und Figuren, die von Herkunft und Umgebung bestimmt sind.

Zeit und Hintergrund

Nach 1870 wird Deutschland schnell zum Industrieland. Arbeiterfamilien wohnen eng in Mietskasernen, die Löhne sind tief. Diese Not heisst soziale Frage.

Zugleich glauben viele an die Naturwissenschaft. Charles Darwin zeigt den Menschen als Teil der Natur. Die Autoren wollen Literatur so genau wie ein Experiment machen.

MerkeNaturalismus: etwa 1880 bis 1900, zur Zeit von Industrialisierung und sozialer Frage.

Das Menschenbild: Vererbung und Milieu

Der Mensch ist hier nicht frei. Ihn bestimmen seine Vererbung (was er von den Eltern mitbekommt) und sein Milieu, also Wohnung, Arbeit, Armut und Familie.

Diese Sicht heisst Determinismus. Darum scheitern die Figuren oft, obwohl sie sich wehren. Schuld ist ihre Lage, nicht ein böser Charakter.

MerkeVererbung plus Milieu bestimmen den Menschen: Das ist das Menschenbild des Naturalismus.

Kunst = Natur – x

Arno Holz fasst das Programm in eine Formel: Kunst = Natur – x. Das «x» sind die Mittel des Künstlers und ihre Grenzen. Je kleiner das x, desto näher kommt die Kunst der Wirklichkeit.

Anders als der Realismus davor beschönigt der Naturalismus nichts. Er zeigt Armut und Sucht ohne versöhnliches Ende.

MerkeDer Realismus zeigt die Wirklichkeit geglättet, der Naturalismus zeigt sie ungeschönt.

Typische Themen

  • Armut und Ausbeutung: Weber, Arbeiter, Dienstboten.
  • Alkohol und Krankheit: oft als Erbe einer Familie.

  • Zerfall der Familie: Streit, Gewalt, enge Wohnungen.
  • Unterschicht: Menschen, die vorher kaum Hauptfiguren waren.

MerkeArmut, Alkohol, Krankheit: Der Naturalismus schaut dorthin, wo es wehtut.

Sprache wie im Leben

Die Figuren reden in Dialekt oder Umgangssprache, mit abgebrochenen Sätzen und Pausen. Lange Regieanweisungen beschreiben Raum, Licht und Geräusche genau.

Die liebste Gattung ist das Drama, weil die Figuren dort selbst sprechen.

MerkeDialekt, Pausen und genaue Regieanweisungen: So klingt Naturalismus.

Der Sekundenstil

Arno Holz und Johannes Schlaf entwickeln den Sekundenstil. Ein kurzer Moment wird fast in Echtzeit erzählt, mit jedem Geräusch und jeder Bewegung.

Die Lesezeit ist dann fast so lang wie die Zeit, die vergeht.

MerkeSekundenstil: ein Moment, Sekunde für Sekunde.

Wichtige Autoren und Werke

  • Gerhart Hauptmann: «Bahnwärter Thiel» (1888), «Vor Sonnenaufgang» (1889), «Die Weber» (1892). Nobelpreis 1912.
  • Holz und Schlaf: «Papa Hamlet» (1889), «Die Familie Selicke» (1890).

  • Vorbilder: Émile Zola mit «Germinal», Henrik Ibsen mit «Gespenster».
  • Bühne: die «Freie Bühne» in Berlin ab 1889.
Naturalismus: Übersicht mit Zeit und Hintergrund; Das Menschenbild: Vererbung und Milieu; Kunst = Natur – x; Typische Themen; Sprache wie im Leben; Der Sekundenstil.
Naturalismus auf einen Blick: die wichtigsten Regeln.

Häufige Fehler

  • ✕«Naturalismus heisst, dass es im Text um die Natur geht, also um Wald und Tiere.»

    ✓«Natur» meint hier die Wirklichkeit, wie sie ist. Naturalistische Texte spielen meist in Hinterhöfen, Fabriken und armen Stuben, nicht in der freien Natur.

  • ✕«Die Figur trinkt, weil sie schwach und böse ist.»

    ✓Im Naturalismus erklärt man ihr Verhalten mit Vererbung und Milieu: Sie trinkt, weil schon die Eltern tranken und weil Armut und Elend sie umgeben.

  • ✕«Der Text beschreibt arme Menschen genau, also ist er sicher naturalistisch.»

    ✓Auch der Realismus beschreibt genau. Für den Naturalismus sprechen erst mehrere Merkmale zusammen: Dialekt, kein beschönigendes Ende, Figuren ohne Ausweg und Detailtreue bis ins Hässliche.

  • ✕«Naturalismus und Expressionismus sind dasselbe, beide zeigen Elend und Grossstadt.»

    ✓Der Naturalismus bildet die Wirklichkeit sachlich ab. Der Expressionismus (etwa 1910 bis 1925) verzerrt sie und drückt aus, wie ein Ich sie fühlt.

Begriffe zum Nachschlagen
Milieu
Die Umgebung, die einen Menschen prägt: Wohnung, Arbeit, Familie, Geld und Nachbarschaft.
Determinismus
Die Ansicht, dass das Handeln eines Menschen durch Ursachen wie Vererbung und Umgebung festgelegt ist und er kaum frei wählen kann.
Sekundenstil
Erzählweise, die einen kurzen Moment fast in Echtzeit wiedergibt, mit allen Geräuschen, Bewegungen und Pausen.
soziale Frage
Die Not der Arbeiterfamilien in der Industrialisierung: tiefe Löhne, lange Arbeitstage, enge Wohnungen, Krankheit.
Mietskaserne
Grosses, enges Mietshaus mit vielen Hinterhöfen, in dem um 1900 viele Arbeiterfamilien wohnten.

Noch unsicher? Zuerst lernen:Epik, Lyrik, DramatikDrama

So geht's

Beispiele Schritt für Schritt

Beispiel 1Merkmale in einem Textauszug finden

Lies den Auszug (ein eigener Text im Stil der Epoche) und nenne vier Merkmale des Naturalismus.

Die Stube. Niedrig, verraucht. Ein Webstuhl nimmt die halbe Wand ein. Auf dem Tisch ein Kanten Brot, daneben eine leere Schnapsflasche.
MUTTER (hustet lange, wischt sich den Mund): Na ... wird schon ... wird schon gehn.
FRANZ (ohne aufzusehen): Gehn? Nischt geht. Seit drei Wochen kee Geld.

Lösung Schritt für Schritt
  1. Regieanweisung: Die Stube wird genau beschrieben, bis zur leeren Schnapsflasche. Das zeigt die Detailtreue.
  2. Thema: Ein Webstuhl, wenig Brot, kein Geld seit Wochen. Es geht um Armut und Arbeit in der Unterschicht.
  3. Sprache: «Nischt» und «kee» sind Dialekt. Die Mutter spricht in abgebrochenen Sätzen mit Pausen («wird schon ... wird schon gehn»).
  4. Milieu: Husten und Schnapsflasche deuten Krankheit und Alkohol an. Die Figuren wirken in ihrer Lage gefangen, Franz sieht keinen Ausweg.

Genaue Regieanweisung, Armut als Thema, Dialekt mit abgebrochenen Sätzen, Krankheit und Alkohol als Zeichen des Milieus, aus dem die Figuren nicht herauskommen.

Beispiel 2Den Sekundenstil erkennen

Lies die Stelle (eigener Text im Stil der Epoche) und erkläre, woran du den Sekundenstil erkennst und wie er wirkt.

Die Uhr tickte. Draussen schlug eine Tür. Er hob den Kopf. Wieder das Ticken. Irgendwo im Hof bellte ein Hund, zweimal, dann still. Er hustete. Die Lampe flackerte, zischte leise, brannte weiter.

Lösung Schritt für Schritt
  1. Erzählt wird nur ein sehr kurzer Moment, vielleicht zehn Sekunden.
  2. Jedes Geräusch und jede kleine Bewegung kommt vor: Ticken, Tür, Hund, Husten, Flackern der Lampe.
  3. Die Erzählzeit (wie lange man liest) ist fast so lang wie die erzählte Zeit. Genau das will der Sekundenstil.
  4. Wirkung: Man hört die Stille im Zimmer fast selbst. Die Enge und Eintönigkeit des Lebens werden spürbar.

Ein kurzer Moment wird ohne Auslassung Sekunde für Sekunde erzählt, mit allen Geräuschen. Das wirkt wie eine Tonaufnahme und macht die bedrückende Stille spürbar.

Beispiel 3Eine Figur mit Vererbung und Milieu erklären

Eine Jugendliche sitzt mit einem aufgeschlagenen Buch und einem Leuchtstift am Fenster ihres Zimmers und denkt nach

Lea aus Winterthur liest für den Deutschunterricht «Vor Sonnenaufgang» von Gerhart Hauptmann. Im Stück kommt Alfred Loth zu der reich gewordenen Bauernfamilie Krause, in der viele trinken. Er verliebt sich in die Tochter Helene, verlässt sie aber, als er vom Alkohol in der Familie erfährt. Lea soll erklären, warum Loth so handelt und was das mit dem Naturalismus zu tun hat.

Lösung Schritt für Schritt
  1. Loth glaubt, dass Alkoholsucht vererbt wird. Er fürchtet, dass seine Kinder mit Helene diese Schwäche erben würden.
  2. Damit folgt er dem Menschenbild der Epoche: Vererbung bestimmt den Menschen.
  3. Helene selbst ist unschuldig. Sie leidet unter dem Milieu ihrer Familie, aus dem sie fliehen will.
  4. Weil Loth geht, sieht Helene keinen Ausweg mehr und nimmt sich das Leben. Das Stück endet ohne Versöhnung.

Loth handelt nach der Vererbungslehre der Zeit: Er fürchtet, die Trunksucht der Familie gehe auf die Kinder über. Helene scheitert an Vererbung und Milieu, obwohl sie selbst nichts falsch gemacht hat. So zeigt das Stück das deterministische Menschenbild des Naturalismus.

Beispiel 4Naturalismus oder Realismus?

Ordne die zwei kurzen Texte (eigene Texte) einer Epoche zu und begründe.

Text A: «Die Wäscherin war arm, doch sie trug ihr Los mit stiller Würde. Am Sonntag sass sie mit den Kindern vor dem Haus, und die Abendsonne vergoldete die kleine Gasse.»

Text B: «Die Wäscherin stand seit sechs am Zuber. Ihre Hände waren rot und aufgesprungen. ‹Hörst de nich? Holz holen, sag ich!›, schrie sie den Jungen an, der hustend im Hof hockte.»

Lösung Schritt für Schritt
  1. Text A zeigt Armut, glättet sie aber: «stille Würde», die Sonne «vergoldet» die Gasse. Das Elend wird versöhnlich und schön dargestellt.
  2. Dieses Beschönigen passt zum Realismus, der die Wirklichkeit zeigt, aber poetisch verklärt.
  3. Text B nennt harte Einzelheiten: die Uhrzeit, rote, aufgesprungene Hände, ein hustendes Kind. Nichts wird gemildert.
  4. Die Mutter spricht Dialekt («Hörst de nich?») und schreit. Not und Milieu prägen, wie sie mit dem Kind umgeht.

Text A ist realistisch, weil er die Armut verklärt. Text B ist naturalistisch, weil er das Elend ungeschönt, detailgenau und mit Dialekt zeigt.

Jetzt du

Übungen mit Lösungen

Fang beim Einstieg an. Klapp die Lösung erst auf, wenn du selbst gerechnet hast. Steckst du fest, gibt Fox dir einen Tipp.

  1. 1

    In welchem Zeitraum liegt der Naturalismus ungefähr?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Etwa 1880 bis 1900

    1. Die Epoche beginnt um 1880, als die Industrialisierung in Deutschland voll läuft.
    2. Um 1900 lösen andere Strömungen sie ab, nach 1910 folgt der Expressionismus.
  2. 2

    Welche zwei Kräfte bestimmen nach dem Naturalismus den Menschen?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Vererbung und Milieu

    1. Vererbung: was ein Mensch von den Eltern mitbekommt.
    2. Milieu: die Umgebung, in der er lebt, etwa Armut, Arbeit und Familie.
  3. 3

    Nenne drei typische Themen des Naturalismus.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Zum Beispiel: Armut, Alkohol, Krankheit

    1. Denk an das Leben der Arbeiterfamilien in der Industrialisierung.
    2. Weitere Themen: Ausbeutung, Zerfall der Familie, Gewalt, enge Wohnungen.
  4. 4

    Wer ist der bekannteste Autor des deutschen Naturalismus? Nenne ein Werk von ihm.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Gerhart Hauptmann, zum Beispiel «Die Weber»

    1. Gerhart Hauptmann schrieb die wichtigsten naturalistischen Dramen.
    2. Werke: «Vor Sonnenaufgang», «Die Weber», die Novelle «Bahnwärter Thiel».
  5. 5

    Was bedeutet «Natur» im Wort Naturalismus?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Die Wirklichkeit, wie sie ist, nicht Wald und Tiere.

    1. Die Autoren wollen die Wirklichkeit genau abbilden.
    2. «Natur» meint also die ungeschönte Realität, auch das Hässliche.
  1. 6

    Warum ist das Drama die liebste Gattung des Naturalismus? Nenne zwei Gründe.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Figuren sprechen direkt in ihrer echten Sprache, und Regieanweisungen können Raum und Geräusche genau festhalten.

    1. Im Drama gibt es keinen Erzähler, der die Wirklichkeit deutet; die Figuren reden selbst.
    2. So kann man Dialekt, Pausen und Stottern genau wiedergeben.
    3. Lange Regieanweisungen beschreiben das Milieu bis ins Detail.
  2. 7

    Erkläre die Formel von Arno Holz «Kunst = Natur – x» in zwei Sätzen.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Die Kunst soll die Wirklichkeit möglichst genau wiedergeben. Das x steht für die Mittel des Künstlers und ihre Grenzen, und es soll so klein wie möglich sein.

    1. «Natur» ist die Wirklichkeit, «Kunst» das Werk.
    2. Was dem Werk an Wirklichkeit fehlt, ist das x; je kleiner es ist, desto näher kommt die Kunst der Natur.
  3. 8

    Ein Text erklärt, ein Arbeiter sei gewalttätig, «weil schon sein Vater schlug und er in einem Kellerloch ohne Licht aufwuchs». Welches Menschenbild zeigt der Satz?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Das deterministische Menschenbild des Naturalismus: Vererbung und Milieu erklären sein Handeln.

    1. «Weil schon sein Vater schlug» verweist auf Vererbung oder Herkunft.
    2. «Kellerloch ohne Licht» beschreibt das Milieu.
    3. Der Mensch erscheint nicht frei, sondern durch beides bestimmt.
  4. 9

    Ordne zu: «Bahnwärter Thiel», «Die Weber», «Papa Hamlet». Welches Werk ist ein Drama, welches eine Novelle, welches eine Sammlung von Erzählungen?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: «Die Weber» ist ein Drama, «Bahnwärter Thiel» eine Novelle, «Papa Hamlet» eine Sammlung von Erzählungen.

    1. «Die Weber» spielt auf der Bühne und zeigt den Aufstand schlesischer Weber.
    2. «Bahnwärter Thiel» nannte Hauptmann eine novellistische Studie.
    3. «Papa Hamlet» von Holz und Schlaf enthält drei Erzählungen im Sekundenstil.
  5. 10

    Welche Wirkung haben Dialekt und abgebrochene Sätze in einem naturalistischen Drama?

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    Ergebnis: Die Figuren wirken echt wie Menschen aus dem Alltag, und man hört ihre Herkunft und ihre Not.

    1. Dialekt zeigt, woher eine Figur kommt und zu welcher Schicht sie gehört.
    2. Abgebrochene Sätze und Pausen zeigen Unsicherheit, Erschöpfung oder Sprachlosigkeit.
  1. 11

    In «Die Weber» gibt es keinen einzelnen Helden. Wer ist stattdessen die Hauptfigur, und warum passt das zum Naturalismus?

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Die Gruppe der Weber als Ganzes; der Naturalismus zeigt das Schicksal einer ganzen Schicht, nicht eines Einzelnen.

    1. Im Stück treten viele Weber auf, keiner steht allein im Zentrum.
    2. Die Not betrifft alle gleich, sie entsteht aus ihrer Lage, nicht aus einem Einzelschicksal.
    3. So wird das Milieu selbst zum Thema, ganz im Sinn der Epoche.
  2. 12

    Schreib drei bis vier Sätze im Sekundenstil über das Warten auf den Bus an einem kalten Morgen in Chur.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Zum Beispiel: «Der Atem dampfte. Ein Auto zischte vorbei, Wasser spritzte. Sie trat von einem Fuss auf den anderen. Irgendwo piepste ein Handy, zweimal, dann nichts mehr.»

    1. Nur einen sehr kurzen Moment erzählen, ohne Zeitsprünge.
    2. Jedes Geräusch und jede kleine Bewegung festhalten.
    3. Nichts deuten oder bewerten, nur genau wiedergeben.
  3. 13

    Am Schluss von «Bahnwärter Thiel» tötet der sonst stille Thiel seine zweite Frau Lene und ihr Kind, nachdem sein Sohn Tobias von einem Zug überfahren wurde. Erkläre den Ausbruch naturalistisch.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Thiel ist nicht einfach böse: Jahre der Unterdrückung durch Lene, die Einsamkeit am Bahnwärterhäuschen und der Tod seines Sohnes treiben ihn in den Wahnsinn.

    1. Lene vernachlässigt und misshandelt Tobias, Thiel wehrt sich lange nicht.
    2. Der Tod von Tobias zerbricht ihn; das Umfeld und die aufgestaute Not entladen sich.
    3. Er handelt im Wahn, nicht aus freier Entscheidung; er kommt danach in eine Irrenanstalt.
  4. 14

    Warum enden naturalistische Werke fast nie glücklich? Begründe mit dem Menschenbild der Epoche.

    Lösung zeigen

    Ergebnis: Wenn Vererbung und Milieu den Menschen festlegen, kann er sich kaum befreien; ein glückliches Ende wäre unwahr und würde die Wirklichkeit beschönigen.

    1. Die Figuren sind durch Herkunft und Umgebung bestimmt (Determinismus).
    2. Ein Ausweg aus eigener Kraft passt nicht zu dieser Sicht.
    3. Ausserdem will der Naturalismus nichts verklären, anders als der Realismus.

Steht «Bahnwärter Thiel» oder «Die Weber» als Lektüre an und die Epochen gehen noch durcheinander, übt eine Lehrperson Zuordnen und Deuten gezielt mit dir. Deutsch-Nachhilfe fürs Gymnasium

Üben ohne Ende

Trainer: Naturalismus

So funktioniert der Trainer

Erkenne Zeit, Menschenbild, Autoren und Stilmittel des Naturalismus und klick die richtige Antwort an. Stufe 1 übt Zeit, Begriffe und Themen, Stufe 2 Werke und Sprache, Stufe 3 die Zuordnung kurzer Texte zur Epoche.

Wie heisst die Sicht, dass Ursachen das Handeln festlegen?

Löse die Aufgabe und drück «Prüfen» (oder Enter).

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Für Eltern und Lehrpersonen

Einordnung

Typische Klasse
3. Jahr Gymnasium - 4. Jahr Gymnasium
Stufe
Gymnasium
Fach
Deutsch

Am Gymnasium meist im 3. oder 4. Jahr in der Literaturgeschichte, oft mit Hauptmanns «Bahnwärter Thiel» oder «Die Weber» als Klassenlektüre und im Vergleich mit dem Expressionismus.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Was ist Naturalismus einfach erklärt?

Der Naturalismus ist eine Epoche der Literatur von etwa 1880 bis 1900. Die Autoren zeigen die Wirklichkeit so genau wie möglich, vor allem das Leben armer Menschen. Der Mensch erscheint dabei bestimmt von Vererbung und Milieu.

Woran erkenne ich einen naturalistischen Text?

Achte auf genaue, oft hässliche Einzelheiten, auf Dialekt und abgebrochene Sätze und auf Figuren aus der Unterschicht, die aus ihrer Lage nicht herauskommen. Im Drama sind lange Regieanweisungen typisch.

Was ist der Unterschied zwischen Realismus und Naturalismus?

Beide zeigen die Wirklichkeit. Der Realismus glättet sie aber und zeigt sie oft versöhnlich. Der Naturalismus geht weiter: Er zeigt Elend, Sucht und Gewalt ungeschönt und verzichtet auf ein tröstendes Ende.

Welche Werke des Naturalismus sollte ich kennen?

Am häufigsten kommen Gerhart Hauptmanns «Bahnwärter Thiel», «Vor Sonnenaufgang» und «Die Weber» dran. Dazu sollte man «Papa Hamlet» von Arno Holz und Johannes Schlaf als Beispiel für den Sekundenstil kennen.

Stand 08.11.2026. Alle Erklärungen und Aufgaben hat Fokus Nachhilfe selbst geschrieben, nach dem Lehrplan 21 der Deutschschweiz. Trainer und Lösungen rechnet ein Programm, nicht eine KI. Fehler gefunden?